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Der reine Kapitalismus ist krank

Ronald » 18 August 2009 » In Business Social, Gesellschaft & Politik » No Comments

Heiner Geissler - Ou Topos

Nun ist das folgende ZDF-Interview mit Heiner Geißler zwar schon ein Jahr alt, dennoch bleibt es hochaktuell und eigentlich müssten wir im laufenden Wahlkampf über solche Themen diskutieren - anstatt über Ullas Urlaub.

heute.de: Ist die Globalisierung alternativloser Sachzwang oder ist sie von Politikern gemacht und damit auch veränderbar?

Geißler: Die Globalisierung an sich ist natürlich nicht mehr rückgängig zu machen. Und natürlich sitzt die Wirtschaft, weil sie global agiert, da am längeren Hebel. Deswegen wird es notwendig, dass die Politik sich internationalisiert und damit wieder mit der Ökonomie auf eine Augenhöhe kommt. Das Ziel muss ein geordneter Markt sein, nicht die Abschaffung des Marktes. Die Globalisierung darf nicht über Leichen gehen und die wirtschaftliche Existenz von Millionen von Menschen vernichten.

heute.de: Was könnte Ihrer Meinung nach geändert werden?

Geißler: Das derzeitige System muss ersetzt werden durch eine internationale, öko-soziale Marktwirtschaft - verbunden mit einem Global Marshall-Plan, wie das zum Beispiel der Club of Budapest gefordert hat. Entscheidend wäre außerdem eine internationale Börsenumsatzsteuer.

heute.de: …die so genannte Tobin-Steuer…

Geißler: …um mit diesem frei werdenden Geld den Entwicklungsländern zu helfen. Bei 0,02 Prozent Tobin-Steuer bei einem börsentäglichen Umsatz von zwei Billionen würden 500 Milliarden Euro frei. Damit könnten wir die gesamten Infrastrukturprobleme in Afrika und Südostasien lösen. Dann bräuchten wir unser Geld nicht mehr so stark in klassische Entwicklungshilfe stecken, sondern könnten mehr in Bildung investieren. Außerdem müsste eine internationale Börsen- und Bankenaufsicht eingeführt, die Steueroasen geschlossen und die Weltinstitutionen IWF, WTO und Weltbank demokratisiert werden.

Lesen Sie das ganze Interview: heute.de politik

Aktuelles Video-Interview

Interessant und ganz aktuell (August 2009) ist das folgende Video-Interview mit Heiner Geißler für die ZEIT ONLINE-Community (3:52 Minuten).

Er wünscht sich nach der Bundestagswahl eine schwarz-grüne Koalition und ist skeptisch gegenüber jungen Betriebswirtschaftlern in der Politik. Da bin ich ganz bei ihm.

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Offener Brief an die G20

Ronald » 09 März 2009 » In Business Social » 1 Comment

Am 5. März 2009 erhielten die Staatschefs und Finanzminister der G20-Länder Post vom GENISIS-Institut in Berlin. In einem von Peter Spiegel und Franz Alt initiierten Offenen Brief schlägt ein Kreis von Erstunterzeichnern (siehe unten) vor, bei ihrem Treffen am 2. April 2009 in London, völlig neue Wege aus der derzeitigen Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise einzuschlagen.

Offener Brief an die Staatsoberhäupter der G20-Staaten

In der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise entscheidet sich das Schicksal der Weltgemeinschaft in erster Linie dadurch, wie es uns gelingt, endlich eine überzeugende nachhaltige Entwicklung zum Wohle aller Bürger dieser Erde sicherzustellen. Die Beratungen über Systeme einer besseren weltweiten Kontrolle der Weltfinanzeinrichtungen sind hierzu ein wertvoller Beitrag, aber noch lange kein hinlänglicher.

Besonders wichtig sind jetzt beherzte Maßnahmen, die den Schwächsten in der Weltgesellschaft und somit den am stärksten Betroffenen der Weltwirtschaftskrise unmittelbare Unterstützung und Perspektive bieten. Wir schlagen dafür zwei konkrete Maßnahmen vor:

  • Global Marshall Plan für weltweit flächendeckende Kleinkreditsysteme. Die G20-Staaten sollten einen gemeinsamen Fonds auflegen, in den in den nächsten drei Jahren jeweils 10 Milliarden US-Dollar fließen. Diese Gelder sollten ausschließlich dafür eingesetzt werden, um flächendeckend in allen Armutsregionen der Welt, in denen noch nicht genügend Kleinkreditorganisationen vorhanden sind, solche aufzubauen. Nach den Erfahrungen der Grameen Bank und anderer ähnlicher Einrichtungen genügen 3 Millionen US-Dollar, um ein neues Kleinkreditsystem in einer Region zu etablieren, das dann in der Regel nach drei Jahren selbsttragend ist. Mit 30 Milliarden US-Dollar können binnen drei Jahren 10.000 neue Kleinkreditsysteme gestartet werden. Damit kann in wenigen Jahren eine flächendeckende Versorgung der Ärmsten der Welt mit Kleinkrediten sichergestellt und damit eine bereits 130-millionenfach erprobte Perspektive des Auswegs aus der Armutsfalle gemeinsam geschaffen werden.

  • 10-Prozent-Bindung an Investitionen in Social Business. Derzeit entstehen weltweit immer mehr Unternehmen und Joint Ventures, deren Mission ausschließlich in der Lösung der dringlichsten gesellschaftlichen Probleme wie Versorgung mit nachhaltiger Energie, Zugang zu sauberem Wasser etc. liegt. Muhammad Yunus nennt dies „Social Business“ und stellte beim World Economic Forum 2009 in Davos die Forderung, dass mindestens 10 Prozent aller Sondermaßnahmen im Rahmen der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise an Investitionen in solche Social Businesses gebunden sein sollten. Dieser Empfehlung schließen wir uns nachdrücklich an. Immer mehr Social Businesses entwickeln sich gerade auch im ökologischen Sektor wie beispielsweise Grameen Shakti. Dieses hat bisher 160.000 Solaranlagen in Armutshaushalten in Bangladesh installiert und bis 2012 sollen es bereits 7 Millionen sein. Social Business ist somit auch für die dringend notwendige ökologische Wende ein höchst attraktiver Ansatz.

Diese beiden Maßnahmen würden auch folgender Situation Rechnung tragen: Eine wirtschaftliche Erholung nach den gegenwärtigen Zusammenbrüchen kann eine kraftvolle und nachhaltige Perspektive weitaus besser in der aufholenden Entwicklung der bisher zu kurz Gekommenen suchen als in der Steigerung des Überflusses der Minderheit der Superreichen. Die systematische Entwicklung jener zwei Drittel der Menschheit, die bis heute in Armut leben, ist nicht nur moralisch überfällig, sondern auch unter rein ökonomischen Gesichtspunkten das Gebot der Stunde. Das Besondere der beiden vorgeschlagenen Maßnahmen: Sie sind neben ihren unmittelbaren humanitären Effekten zugleich auch die vielleicht intelligenteste und effektivste globale Wirtschaftsförderung.

Im Vertrauen auf Ihre Voraussicht,

gez.

Dr. Franz Alt, Publisher; Frithjof Finkbeiner, Head Global Marshall Plan Foundation; Dr. Franz Fischler, former Commissioner of the European Union; Prof. Dr. Ashok Gangadean, Director World Commission on Global Consciousness; Dr. Heiner Geißler, former Minister of Germany; Celso Grecco, Founder Social Stock Exchange at BOVESPA, Brazil; Prof. Dr. Prabhu Guptara, Head Wolfsberg Institute; Prof. Dr. Hazel Henderson, world renowned Economist and Futurist; Dr. Ashok Khosla, Chairman Development Alternatives and President Club of Rome; Prof. Dr. Dr. Ervin Laszlo, President Club of Budapest; Dr. Rupert Neudeck, Founder Cap Anamur and Grünhelme; Dr. Christian Neugebauer, Editor-in-chief “Glocalist”; Wolfgang Pekny, platform footprint; Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher, Member Club of Rome and President Global Economic Network; Peter Spiegel, Head Genisis Institute for Social Business and Impact Strategies, Prof. Dr. Dr. Ernst U. von Weizsäcker, Co-Chair International Panel on Sustainable Resource Management

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Der Offene Brief kann von allen engagierten Bürgern mitunterzeichnet werden, um dessen Vorschläge aktiv zu unterstützen.

Ein kurzes E-Mail mit der Kernaussage “Ich unterstütze den Offenen Brief “Next Wall to Fall” an die G20-Staatsoberhäupter” genügt.

Machen Sie mit! Die Adresse finden Sie hier beim GENISIS-Institut

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Lesen Sie dazu auch in diesem Blog: “Welt mit Zukunft” und “Eine humane Weltwirtschaft”

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Charta für nachhaltiges Wirtschaften

Ronald » 17 Februar 2009 » In Nachhaltigkeit & Entwicklung » No Comments

Der Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA) begrüßt das Ergebnis des Gipfeltreffens von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Spitzenvertretern von WTO, OECD, IWF, Weltbank und den Vereinten Nationen am 05. Februar in Berlin. Unter dem Arbeitsthema „Globale Lösung für die globale Krise“ hatten sich die Teilnehmer des Treffens auf eine Charta für nachhaltiges Wirtschaften geeinigt, die Merkel bereits auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos kurz zuvor angekündigt hatte.

Der BWA und die Global Marshall Plan Initiative argumentieren schon lange für ein besseres Global Governance System, das durch geeignete Verknüpfung der heute noch weitgehend unverbundenen globalen Regime in den Bereichen Wirtschaft (z. B. WTO und OECD), Finanzen (IWF, Weltbank) und Soziales und Umwelt (United Nations, insbesondere ILO) entstehen soll.

Gemeinsame Feststellung der Partner:

Charta für nachhaltiges Wirtschaften

  1. Wir wollen eine Charta für ein nachhaltiges Wirtschaften entwickeln. Alle Organisationen unterstützten den Plan von Frau Merkel für neue Regeln der Weltwirtschaft.
  2. Die Marktwirtschaft ist “Garant für wirtschaftliches Wachstum”. Sie braucht jedoch Regeln, die Marktexzesse verhindern und künftigen Krisen entgegenwirken. Staaten und internationale Organisationen könnten solche Regeln gemeinsam entwickeln. Bestehende Instrumente der OECD etwa zur Unternehmensführung, zur Bekämpfung von Korruption oder zur Zusammenarbeit in Steuerangelegenheiten sind heute schon von Nutzen. Die ILO trägt Elemente für Beschäftigung, sozialen Schutz und menschwürdige Arbeitsbedingungen bei.
  3. Wir werden unsere Zusammenarbeit zur Unterstützung einer stärkeren, sauberen und flexiblen Wirtschaft verstärken.
  4. Wir sind uns einig, dass die Abschwächung der wirtschaftlichen Entwicklung ein abgestimmtes Handeln der internationalen wirtschaftspolitischen Akteure erforderlich macht.
  5. Wir sind für ein offenes Welthandelssystem. Jede Art von Protektionismus muss verhindert werden. Trotz der gegenwärtigen Krise müssen alle Länder sicherstellen, dass ihre Konjunkturpakete nicht den Handel stören.
  6. Bei der Bewältigung der Weltwirtschaftskrise sind auch die Interessen der Entwicklungsländer zu berücksichtigen: “Wirtschaftswachstum kann ohne sie nicht auf Dauer generiert werden”.

An dem Treffen beteiligt waren Bundeskanzlerin Angela Merkel, OECD-Generalsekretär Angel Gurría, WTO-Generaldirektor Pascal Lamy, ILO-Generalsekretär Juan Somavia, der geschäftsführende Direktor des IWF Dominique Strauss-Kahn und Weltbank-Präsident Robert B. Zoellick.

Quelle: bwa-deutschland.de

Lesen Sie dazu auch “Merkel redet Klartext” und “Welt mit Zukunft”

Über den Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft e.V. (BWA)

Der BWA sieht sich als Partner der Politik, der sich im Unterschied zum klassischen Lobbying am Allgemeinwohl und nicht an Partikularinteressen orientiert. Gemäß seinem Leitprinzip „Wirtschaft – das sind wir alle“

Buch - Globalisierung gestalten

nehmen an der Meinungsbildung innerhalb des BWA erfolgreiche Persönlichkeiten aus der gesamten Gesellschaft teil. Mit diesem Ansatz will der BWA eine Brücke schlagen zwischen der Kompetenz seiner Mitglieder und dem Informationsbedarf der Politik.

Der BWA bekennt sich als erster Wirtschaftsverband zur Initiative für einen Weltvertrag (Planetary Contract) und für einen Global Marshall Plan, also für eine Verknüpfung von ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Dimensionen des Lebens auf globaler Ebene. Er tritt dabei insbesondere für die Durchsetzung der Millenniumentwicklungsziele der Vereinten Nationen ein.

Besondere Kompetenz hat sich der BWA im Bereich Außenwirtschaft erworben. In Partnerschaft mit der United Nations Conference on Trade and Development ist er offizieller Träger der Trade Point Federation in Deutschland, einer weltweiten Austauschplattform für Unternehmer.

Besuchen Sie den www.bwa-deutschland.de

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Welt mit Zukunft

Ronald » 05 Januar 2009 » In Gesellschaft & Politik, Nachhaltigkeit & Entwicklung » 2 Comments

Buch - Welt mit Zukunft

Alle Welt spricht heute von der Krise. Spannender ist aber doch eigentlich die Frage, welche Chance sich daraus ergibt und ob wir sie jetzt konsequent nutzen. Dabei haben wir schon lange kein Erkenntnisproblem mehr, allein am Willen zur Umsetzung mangelt es uns teils gewaltig. In seinem Buch “Welt mit Zukunft” zeigt Prof. Franz-Josef Radermacher auf 223 Seiten wie der zu beschreitende Weg aussehen könnte und warum wir einen Global Marshall Plan brauchen.

Der Global Marshall Plan hat als Ziel eine „Welt in Balance“.

Dies erfordert eine bessere Gestaltung der Globalisierung und der weltökonomischen Prozesse: eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft. Es geht um einen besseren weltweiten Ordnungsrahmen, eine nachhaltige Entwicklung, die Überwindung der Armut, den Schutz der Umwelt, Gerechtigkeit und in der Folge ein neues Weltwirtschaftswunder.

Der Global Marshall Plan umfasst insbesondere die folgenden fünf Kernziele:

  • Durchsetzung der weltweit vereinbarten Millenniumsziele der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2015
  • Aufbringung der zur Erreichung der Millenniumsziele zusätzlich erforderlichen 100 Mrd. US$ jährlich zur Förderung weltweiter Entwicklung
  • Faire und wettbewerbsneutrale Aufbringung der benötigten Mittel auch über Belastung globaler Transaktionen
  • Schrittweise Realisierung einer weltweiten Ökosozialen Marktwirtschaft durch Etablierung eines besseren Ordnungsrahmens der Weltökonomie (Global Governance) z. B. über eine Verknüpfung etablierter Regelwerke und vereinbarter Standards für Wirtschaft, Umwelt und Soziales (WTO, UNEP und ILO-Kernstandards)
  • Neuartige Formen basisorientierter Mittelverwendung bei gleichzeitiger Bekämpfung von Korruption

Das Buch im Global Marshall Plan Shop: Welt mit Zukunft - Überleben im 21. Jahrhundert

Zwei Vorträge von Prof. Dr. Dr. Radermacher im Video:

“Die Klimafrage im Kontext von Global Governance” (ca. 35 Min.)

“Verantwortung in Zeiten der Globalisierung” (ca. 45 Min.)

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