Der reine Kapitalismus ist krank
heute.de: Ist die Globalisierung alternativloser Sachzwang oder ist sie von Politikern gemacht und damit auch veränderbar?
Geißler: Die Globalisierung an sich ist natürlich nicht mehr rückgängig zu machen. Und natürlich sitzt die Wirtschaft, weil sie global agiert, da am längeren Hebel. Deswegen wird es notwendig, dass die Politik sich internationalisiert und damit wieder mit der Ökonomie auf eine Augenhöhe kommt. Das Ziel muss ein geordneter Markt sein, nicht die Abschaffung des Marktes. Die Globalisierung darf nicht über Leichen gehen und die wirtschaftliche Existenz von Millionen von Menschen vernichten.
heute.de: Was könnte Ihrer Meinung nach geändert werden?
Geißler: Das derzeitige System muss ersetzt werden durch eine internationale, öko-soziale Marktwirtschaft - verbunden mit einem Global Marshall-Plan, wie das zum Beispiel der Club of Budapest gefordert hat. Entscheidend wäre außerdem eine internationale Börsenumsatzsteuer.
heute.de: …die so genannte Tobin-Steuer…
Geißler: …um mit diesem frei werdenden Geld den Entwicklungsländern zu helfen. Bei 0,02 Prozent Tobin-Steuer bei einem börsentäglichen Umsatz von zwei Billionen würden 500 Milliarden Euro frei. Damit könnten wir die gesamten Infrastrukturprobleme in Afrika und Südostasien lösen. Dann bräuchten wir unser Geld nicht mehr so stark in klassische Entwicklungshilfe stecken, sondern könnten mehr in Bildung investieren. Außerdem müsste eine internationale Börsen- und Bankenaufsicht eingeführt, die Steueroasen geschlossen und die Weltinstitutionen IWF, WTO und Weltbank demokratisiert werden.
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Aktuelles Video-Interview
Interessant und ganz aktuell (August 2009) ist das folgende Video-Interview mit Heiner Geißler für die ZEIT ONLINE-Community (3:52 Minuten).
Er wünscht sich nach der Bundestagswahl eine schwarz-grüne Koalition und ist skeptisch gegenüber jungen Betriebswirtschaftlern in der Politik. Da bin ich ganz bei ihm.

