Offener Brief an die G20
Am 5. März 2009 erhielten die Staatschefs und Finanzminister der G20-Länder Post vom GENISIS-Institut in Berlin. In einem von Peter Spiegel und Franz Alt initiierten Offenen Brief schlägt ein Kreis von Erstunterzeichnern (siehe unten) vor, bei ihrem Treffen am 2. April 2009 in London, völlig neue Wege aus der derzeitigen Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise einzuschlagen.
Offener Brief an die Staatsoberhäupter der G20-Staaten
In der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise entscheidet sich das Schicksal der Weltgemeinschaft in erster Linie dadurch, wie es uns gelingt, endlich eine überzeugende nachhaltige Entwicklung zum Wohle aller Bürger dieser Erde sicherzustellen. Die Beratungen über Systeme einer besseren weltweiten Kontrolle der Weltfinanzeinrichtungen sind hierzu ein wertvoller Beitrag, aber noch lange kein hinlänglicher.
Besonders wichtig sind jetzt beherzte Maßnahmen, die den Schwächsten in der Weltgesellschaft und somit den am stärksten Betroffenen der Weltwirtschaftskrise unmittelbare Unterstützung und Perspektive bieten. Wir schlagen dafür zwei konkrete Maßnahmen vor:
- Global Marshall Plan für weltweit flächendeckende Kleinkreditsysteme. Die G20-Staaten sollten einen gemeinsamen Fonds auflegen, in den in den nächsten drei Jahren jeweils 10 Milliarden US-Dollar fließen. Diese Gelder sollten ausschließlich dafür eingesetzt werden, um flächendeckend in allen Armutsregionen der Welt, in denen noch nicht genügend Kleinkreditorganisationen vorhanden sind, solche aufzubauen. Nach den Erfahrungen der Grameen Bank und anderer ähnlicher Einrichtungen genügen 3 Millionen US-Dollar, um ein neues Kleinkreditsystem in einer Region zu etablieren, das dann in der Regel nach drei Jahren selbsttragend ist. Mit 30 Milliarden US-Dollar können binnen drei Jahren 10.000 neue Kleinkreditsysteme gestartet werden. Damit kann in wenigen Jahren eine flächendeckende Versorgung der Ärmsten der Welt mit Kleinkrediten sichergestellt und damit eine bereits 130-millionenfach erprobte Perspektive des Auswegs aus der Armutsfalle gemeinsam geschaffen werden.
- 10-Prozent-Bindung an Investitionen in Social Business. Derzeit entstehen weltweit immer mehr Unternehmen und Joint Ventures, deren Mission ausschließlich in der Lösung der dringlichsten gesellschaftlichen Probleme wie Versorgung mit nachhaltiger Energie, Zugang zu sauberem Wasser etc. liegt. Muhammad Yunus nennt dies „Social Business“ und stellte beim World Economic Forum 2009 in Davos die Forderung, dass mindestens 10 Prozent aller Sondermaßnahmen im Rahmen der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise an Investitionen in solche Social Businesses gebunden sein sollten. Dieser Empfehlung schließen wir uns nachdrücklich an. Immer mehr Social Businesses entwickeln sich gerade auch im ökologischen Sektor wie beispielsweise Grameen Shakti. Dieses hat bisher 160.000 Solaranlagen in Armutshaushalten in Bangladesh installiert und bis 2012 sollen es bereits 7 Millionen sein. Social Business ist somit auch für die dringend notwendige ökologische Wende ein höchst attraktiver Ansatz.
Diese beiden Maßnahmen würden auch folgender Situation Rechnung tragen: Eine wirtschaftliche Erholung nach den gegenwärtigen Zusammenbrüchen kann eine kraftvolle und nachhaltige Perspektive weitaus besser in der aufholenden Entwicklung der bisher zu kurz Gekommenen suchen als in der Steigerung des Überflusses der Minderheit der Superreichen. Die systematische Entwicklung jener zwei Drittel der Menschheit, die bis heute in Armut leben, ist nicht nur moralisch überfällig, sondern auch unter rein ökonomischen Gesichtspunkten das Gebot der Stunde. Das Besondere der beiden vorgeschlagenen Maßnahmen: Sie sind neben ihren unmittelbaren humanitären Effekten zugleich auch die vielleicht intelligenteste und effektivste globale Wirtschaftsförderung.
Im Vertrauen auf Ihre Voraussicht,
gez.
Dr. Franz Alt, Publisher; Frithjof Finkbeiner, Head Global Marshall Plan Foundation; Dr. Franz Fischler, former Commissioner of the European Union; Prof. Dr. Ashok Gangadean, Director World Commission on Global Consciousness; Dr. Heiner Geißler, former Minister of Germany; Celso Grecco, Founder Social Stock Exchange at BOVESPA, Brazil; Prof. Dr. Prabhu Guptara, Head Wolfsberg Institute; Prof. Dr. Hazel Henderson, world renowned Economist and Futurist; Dr. Ashok Khosla, Chairman Development Alternatives and President Club of Rome; Prof. Dr. Dr. Ervin Laszlo, President Club of Budapest; Dr. Rupert Neudeck, Founder Cap Anamur and Grünhelme; Dr. Christian Neugebauer, Editor-in-chief “Glocalist”; Wolfgang Pekny, platform footprint; Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher, Member Club of Rome and President Global Economic Network; Peter Spiegel, Head Genisis Institute for Social Business and Impact Strategies, Prof. Dr. Dr. Ernst U. von Weizsäcker, Co-Chair International Panel on Sustainable Resource Management
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Der Offene Brief kann von allen engagierten Bürgern mitunterzeichnet werden, um dessen Vorschläge aktiv zu unterstützen.
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Lesen Sie dazu auch in diesem Blog: “Welt mit Zukunft” und “Eine humane Weltwirtschaft”

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