Manchmal wird behauptet, dass Apple kein Computerkonzern sei sondern eine Religion.
Wenn das so ist, sollten sich krisengebeutelte Firmen mal überlegen ob ein wenig mehr Religiösität bei der Gestaltung ihrer Produkte nicht doch empfehlenswert wäre.
So sieht es nämlich aus, wenn Apple einen neuen Tempel Store eröffnet:
Sie essen gerne Viktoria-Barsch? Vielleicht nicht mehr lange.
Irgendwann in den sechziger Jahren wurden in den Viktoria See in Ostafrika eine fremde Fischart eingesetzt - es war ein kleines wissenschaftliches
Experiment. Der Nil Barsch, ein hungriges Raubtier, hat es innerhalb von drei Jahrzehnten geschafft, fast den gesamten Bestand der ehemals 400 Fisharten auszurotten. Mit dem Effekt, dass es derzeit so einen Überfluss dieses fetten Fisches gibt, dass seine Filets in die ganze Welt exportiert werden.
An den Ufern des größten tropischen Sees der Welt landen jeden Abend riesige Frachtflugzeuge, um am nächsten Morgen wieder in die Industrieländer des Nordens zu starten, beladen mit hunderten Tonnen frischer Fischfilets. In Richtung Süden jedoch ist eine andere Ladung an Bord: Waffen. Für die unzählbaren Kriege im dunklen Herzen des Kontinents.
Dieser florierende globale Handel von Kriegsmaterial und Lebensmitteln hat an den Ufern des größten tropischen Sees der Welt eine seltsame Stimmung und Menschenmischung erzeugt, welche die “Darsteller” dieses Films repräsentieren: einheimische Fischer, Agenten der Weltbank, heimatlose Straßenkinder, afrikanische Minister, EU-Kommissare, tansanische Prostituierte, russische Piloten…
Nachdem Angela Merkel schon in Ihrer Eröffnungsrede beim Weltwirtschaftsforum in Davos von 2007 und im gleichen Jahr beim G8-Gipfel in Heiligendamm globale Strukturen für die Weltwirtschaft angemahnt hat, redet sie auch 2009 in Davos wieder Klartext - deutlicher denn je und unter Androhung konkreter Taten…
Die Kanzlerin erneuerte auf dem Forum mit Politikern und Wirtschaftsführern aus aller Welt ihre Vorschläge für eine “Charta für nachhaltiges Wirtschaften” und einen Weltwirtschaftsrat. Neben der Regulierung der Finanzmärkte und eines freien Welthandels dürften auch der Klimaschutz und die Bekämpfung der Armut nicht aus dem Blick geraten.
“Wir haben keine globale Architektur, die ausreichend funktioniert”, sagte die Kanzlerin unter Hinweis auf das gefährliche Ausufern der Finanzmärkte. “Alle Prinzipien müssen verbindlich festgelegt werden.” Vielleicht könne dies schon beim Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) im April in London geschehen.
Die soziale Marktwirtschaft, die Deutschland nach dem Krieg Wohlstand gebracht habe, sei der dritte Weg zwischen Kapitalismus und Staatswirtschaft. “Der Staat ist der Hüter der sozialen Ordnung, aber Wettbewerb braucht Augenmaß und soziale Verantwortung”, sagte die Kanzlerin. “Die Freiheit des Einzelnen muss begrenzt werden, wenn sie dem anderen die Freiheiten nimmt.” Die Welt brauche jetzt ein stabiles und internationales Finanzsystem mit globaler Verantwortung.
Wie bereits zuvor schlug sie vor, zur Kontrolle einen Weltwirtschaftsrat bei den Vereinten Nationen einzurichten. Bereits in der kommenden Woche wolle sie unter anderem Vertreter des Internationalen Währungsfonds, der OECD und der Internationalen Arbeitsagentur nach Berlin einladen, um über ihre Vorschläge zu diskutieren.
3sat Kulturzeit bietet eine ganze Rubrik mit vielen interessanten Berichten zum Thema “Globalisierung”:
Nicht nur die Chaostheorie beschwört den Flügelschlag eines Schmetterlings, der auf der anderen Seite des Globus eine Katastrophe auslösen kann.
Die Welt rückt in Wirtschaft und Wissenschaft, Politik Gesellschaft und Umwelt sichtbar zusammen. Kulturzeit berichtet über die Sonnen- und Schattenseiten der Globalisierung, über Gewinner und Verlierer.
Dort findet sich z.B. auch ein Beitrag von 2002 zu dem Buch “Global brutal” von Michel Chossudovsky, dass mich persönlich damals aufgerüttelt hat und letztlich zum Global Marshall Plan führte…
Der Chemie-Konzern Monsanto war im Vietnamkrieg einer der größten Produzenten und Lieferanten von Agent Orange, das als Entlaubungsmittel zu Millionen von Litern auch über Laos versprüht wurde.
Heute ist Monsanto vor allem im Bereich des gen-manipulierten Saatgutes tätig und vertreibt auch diese fragwürdigen Früchte in Laos.
Der deutsch-französische TV-Sender arte hat einen spannenden Dokumentarfilm über den Konzern und seine fortschreitende Ausbreitung produziert.
Marie-Monique Robin, Autorin und Regisseurin des Films, im Interview:
Warum ein Film über Monsanto?
Auf diese Frage, die man mir in den letzten drei Jahren immer wieder stellt, anworte ich immer das Gleiche: Ich reise seit über 20 Jahren durch die Welt, und überall habe ich von diesem amerikanischen Multi gehört und – offen gestanden – meist nichts Gutes. Deshalb wollte ich es genau wissen und habe erst einmal Monate lang im Internet gesurft. Dabei fand ich heraus, dass Monsanto eines der umstrittensten Unternehmen des Industriezeitalters ist, das die extrem hohe Toxizität seiner Produkte immer verschleiert hat.
Wie sieht es heute aus? Sagt Monsanto heute die Wahrheit über sein genmanipuliertes Saatgut? Kann man dem Konzern Glauben schenken, wenn er sagt, dass dank der Biotechnologien der Hunger auf der Welt und die Umweltverschmutzung ein Ende haben würden? Um eine Antwort auf diese uns alle angehenden Fragen zu finden, habe ich drei Kontinente bereist und die Behauptungen Monsantos mit der Realität vor Ort konfrontiert. Ich traf mit Dutzenden von Zeugen zusammen, die ich zuvor im Internet ausgemacht hatte. Heute bin ich der festen Überzeugung, dass man es diesem Unternehmen nicht gestatten darf, sich des Saatsguts und damit der Nahrung der Welt zu bemächtigen.
Sehen Sie das Interview auf der arte-Themenseite:arte.tv
Ab heute ist der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika nun also im Amt. Wir dürfen gespannt sein und ich persönlich bin zuversichtlich.
Es wird zwar keine Wunder geben, aber es werden ganz bestimmt große Dinge in Bewegung kommen.
Mit Blick auf die Weltkonferenzen zur Finanzkrise die 2009 auf uns zukommen, ist vor allem die Position des US-Präsidenten zum Thema “Steuer-Oasen” hochinteressant.
Im Jahr 2007 hat Obama einen Gesetzentwurf namens „Stop Tax Haven Abuse Act“ vorgelegt, der Sanktionen gegen 34 Steuerparadiese vorsieht. Aus Europa stehen Liechtenstein, Luxemburg, die Schweiz, Gibraltar, die Kanalinseln Guernsey und Jersey, die Isle of Man, Lettland, Malta und Zypern auf der Liste. „Wir müssen hart gegen Personen und Unternehmen vorgehen, die Schlupflöcher nutzen und dadurch hart arbeitende, ehrliche Steuerzahler benachteiligen“, sagte Obama anlässlich der Präsentation des Gesetzentwurfs. Den USA entgingen jährlich mindestens 40 Milliarden Dollar, weil Bürger ihr Geld in Steueroasen versteckten. Die Vorschläge sind detailliert und reichen von Sanktionen gegen Banken aus Steuerparadiesen bis hin zu härteren Strafen für Berater, die illegale Steuersparmodelle propagieren.
Die Gesetzgebung ist auch vor dem Hintergrund der intensiv geführten Diskussion um das «tax gap» zu verstehen. Das «tax gap» verkörpert die Suche der neuen Mehrheiten im Kongress (und vielleicht ab 2009 des neuen Präsidenten) nach einer Fiskalpolitik, die einen ausgeglichenen Haushalt und zusätzliche Ausgaben ohne höhere Steuern ermöglicht und deshalb Gegenfinanzierungen erforderlich macht. Ein wichtiges Mittel, um die Steuerlücke zu verringern, wäre eine breitere Steuerbasis und eine effektivere Steuereintreibung.
Barack Obama und sein Team haben versprochen, die Steuern für Personen mit tiefem Einkommen zu senken. Ihnen ist allerdings bewusst, dass sie ihre Steuerpolitik nur umsetzen können, wenn sie die Steuerparadiese angreifen. Nur so können sie die Staatskasse füllen.
Die Forderung der Global Marshall Plan Initiative, einen globalen Ordnungsrahmen für die Weltwirtschaft zu schaffen und so ein neues Weltwirtschaftswunder auszulösen, hat also plötzlich Chancen von der US-Regierung unterstützt zu werden.
Einblicke in den „Heiligen Gral“ der Globalisierung
Bereits Anfang 2008 hat der Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA) eine umfassende Studie zur Finanzkrise vorgestellt.
Der Autor Dirk Solte antwortet im Magazin vorwärts.de auf die Frage:
“Kommt die derzeitige Krise überraschend?”
“Für viele Akteure offensichtlich ja. Ich hatte nach den Recherchen für unser Buch „Weltfinanzsystem am Limit“ so etwas erwartet. Allerdings hatte ich gehofft, dass wir noch zwei Jahre Zeit hätten.”
Die Pressemitteilung des BWA vom Januar 2008 ist angesichts der dramatischen Entwicklungen im letzten Jahr immer noch richtungsweisend und zeigt einige Möglichkeiten für die kommenden Weltkonferenzen zur Finanzkrise auf.
„Wie viele und wie verheerende Finanzskandale brauchen wir noch, bis wir endlich ernsthaft über ein vernünftiges Weltfinanzsystem nachdenken?“, fragt der Ulmer Ökonom Franz Josef Radermacher nach der jüngsten Welle von Krisen und Skandalen in der Finanzwirtschaft. Als Beispiele für notwendige Maßnahmen nannte er die Aufhebung von Steuerparadiesen, wie sie Helmut Schmidt forderte, und die Einführung einer Devisentransaktionssteuer.
In dem BWA-Impulsbuch „Weltfinanzsystem am Limit – Einblicke in den ‚Heiligen Gral der Globalisierung’“ zeigt der BWA-Ökonom und Leiter der BWA-Kommission Steuern und Finanzmarkt Dirk Solte die zahlreichen problematischen Wirkmechanismen im heutigen Weltfinanzsystem auf. „Die jüngsten Verwerfungen waren demnach nicht überraschend und weitere noch viel dramatischere sind vorgezeichnet“, so Radermacher.
Mit umfangreichen Fakten macht die BWA-Studie sichtbar, wie die Deregulierung der Finanzmärkte zu einem permanenten Ausbluten der Staatsfinanzen führte und dadurch die Voraussetzungen für Wohlstand wie Infrastruktur, Bildung und Forschung immer schlechter finanziert werden können. „Global agierende Akteure können sich heute ganz legal ihrer ‚Beitragszahlungen’ für die Gesellschaft entziehen“, stellt Solte fest. In der Folge driftet die Gesellschaft immer weiter auseinander mit wenigen Gewinnern und vielen Verlierern.
„Gerade auch der Mittelstand, viele kleine und mittlere Unternehmen sowie der erfolgreiche Typus der eigentümergeführten Unternehmen gerät zunehmend unter Druck beziehungsweise verschwindet“, resümiert Radermacher. Da kein Bereich so konsequent und umfassend globalisiert ist wie der Weltfinanzmarkt, führt deshalb kein Weg daran vorbei, einen global wirksamen Ordnungsrahmen für das Weltfinanzsystem zu entwickeln und dafür taugliche Systeme und Umsetzungen zu konzipieren. „Nichts weniger muss unsere Antwort sein, wenn wir nicht den Kollaps riskieren wollen“, meint Radermacher.
Der Film “The Corporation” zeigt die Omnipräsenz und Allmacht der Konzerne. Der Clou daran ist, dass die Macher die Konzerne auf die Psycho-Couch legen. Da in Amerika Kapitalgesellschaften als juristische Personen gelten, wird folgerichtig ihr Charakter untersucht. Wie ist die Persönlichkeitsstruktur der Multis?
“Wenn wir einen Konzern als eine juristische Person betrachten, ist es nicht allzu schwierig, Parallelen zu ziehen, zwischen einem psychopathischen Individuum und einem psychopathischen Konzern”, sagt der Psychologe Robert Hare. “Wenn man das genauer ansieht: Sie haben alle Charakteristika, und, in vielerlei Hinsicht, entsprechen Konzerne dem Prototyp des Psychopathen.”
Konzerne sind also rücksichtslos, beziehungsunfähig, betrügerisch. So simpel wie das Fazit klingt, ist “The Corporation” nicht. Der Autor des Films, Joel Bakan, hat auch ein fundiertes Buch zum Thema geschrieben: “Momentan bringt es politisch mehr, den Konzernen bessere Regeln staatlich zu verordnen”, meint er. “Langfristig brauchen wir eine politische Bewegung. Sie muss versuchen, ökonomische Strukturen zu entwickeln, die demokratisch sind und auch anderen Zielen dienen, als ausschließlich dem, Geld zu machen.”
US-Präsident Dwight D. Eisenhower – der einzige Fünf-Sterne-General, der US-Präsident wurde – warnte 1961 in seiner Abschiedsrede nach acht Jahren als US-Präsident vor der zunehmenden Verschränkung von Militär und Industrie. Er betrachtete den wachsenden Einfluss dieses “industriellen-militärischen Komplexes” als eine der Hauptgefahren sowohl für die amerikanische Demokratie als auch für den Weltfrieden.
40 Jahre später, während ein Rüstungshersteller an der Seite des US-Präsidenten sitzt, die Zahl der Kriegsopfer weiter steigt und die Rüstungsindustrie gigantische Profite macht, scheint Eisenhower Recht zu behalten.