Der unrühmliche Abgang von Gas-Gerd ist nun tatsächlich schon wieder 4 Jahre her. Kann sich eigentlich noch jemand dran erinnern, dass Schröder damals die vorgezogenen Neuwahlen selber erzwungen hat? Und warum hatte er das noch gleich getan?
Bei dieser unverhofften Wahl im Jahre 2005 konnten sich die deutschen Bürger jedenfalls nicht so recht entscheiden und gaben der Politik einen ausgesprochen unklaren Auftrag, der uns die bekannte große Koalition bescherte.
Die Wahlprognosen waren damals eigentlich glasklar - fette Mehrheit für Schwarz-Gelb, allein der Wähler hielt sich nicht daran.
Für den 27. September 2009 sehen wir nun wieder ähnliches. Die Wahrsager/Demoskopen malen Schwarz-Gelb an die Wand.
Das fundamentale Scheitern der neoliberalen Wirtschaftsideologie disqualifiziert aber eigentlich den gelben Teil dieser Koalitions-Option nachhaltig. Angesichts der vielbeschworenen “Krise” nun ausgerechnet die liberalen Böcke zu Bundesgärtnern zu machen, find ich schwer erträglich.
Mir persönlich wäre ja Schwarz-Grün am sympathischsten, womit ich aber eine (noch) eher unpopuläre Wahl getroffen habe. Obwohl z.B. Franz Alt diese Option auch heute schon für möglich hält und Heiner Geißler sich eine solche Koalition sogar wünschen würde.
Doch den Auftrag erteilt am Ende der Souverän, soweit er sich denn entscheidet und sein Wahlrecht auch wahrnimmt.
Hilfe bei der Wahlentscheidung wird dem Bürger im Internet geboten:
Auf der Homepage kann man anhand der Postleitzahl die Kandidaten im eigenen Wahlkreis aufrufen und öffentlich Fragen an sie richten. Die Übermittlung der Frage an den Adressaten gehört zum Service der Seite und da sich unbeantwortete Fragen nicht gut machen, reagieren die meisten Politiker sogar relativ zügig und antworten tatsächlich.
Wer sich nicht traut, selber ein Frage zu stellen, findet hier zumeist schon einige Antworten und damit etwas Orientierung.
Auch auf Twitter ist die Seite seit kurzem präsent: twitter.com/a_watch
Entstanden ist das Angebot aus einer ehrenamtlichen Initiative in Hamburg. Heute ist abgeordnetenwatch.de ein unabhängiges Sozialunternehmen und wird von Ashoka gefördert, die ich hier im Blog auch schonmal vorgestellt habe.
Ist der Kandidat bereits im aktuellen Parlament vertreten, kann man beim ZDFparlameter nachschauen, wie er einen denn so vertreten hat. Einfach rechts in der Abgeordnetenliste den Namen raussuchen, auf mehr Informationen klicken und unter dem Bild dann auf “Abstimmverhalten”.
Ab dem 04. September ist auch der Wahl-O-Mat wieder online. Hier kann man mit Hilfe eines Fragenkataloges herausfinden, mit welchem Wahlprogramm man mit seiner eigenen Meinung am ehesten übereinstimmt. Allerdings hat die Auswahl der Maschine bei mir nie so recht passen wollen… naja.
Nicht unbedingt hilfreich, dafür aber hübsch anzusehen, ist die Darstellung der Wahlprogramme als Tagcloud. Dazu wurde die Worthäufigkeit in den PDF-Versionen der Programme ausgewertet.
Wenn alles nichts hilft…
Bevor man seine Stimme komplett verschwendet und gar nicht wählen geht, könnte man sie ja z.B. der Piratenpartei geben.
Ein interessantes Interview mit dem Vorsitzenden gibts bei cczwei.de
Auf jeden Fall wäre das immer noch besser, als den legitimen Willen zum Protest bei den radikalen linken und rechten oder marktradikalen Parteien zu platzieren.